(Kölner Stadt-Anzeiger / Wirtschaft / 15.12.2000)
Kamps nutzt die Macht
Preise für Backwaren sind höher als bei der Konkurrenz - Von Willi Feldgen
Köln - Wer mitten in der Kölner Innenstadt mit Heißhunger auf Brötchen oder Croissants eine Bäckerei betritt, stößt in sieben von insgesamt 25 Fällen auf eine Filiale der Bäckereikette Kamps AG. Das ist - glaubt man dem Diplom-Volkswirt Dirk Möller vom Wirtschafts- und Sozialgeographischen Institut der Kölner Universität - alles andere als ein Zufall. Der Vorstandsvorsitzende Heiner Kamps hat, so Möller, bei der Präsentation der Halbjahreszahlen für 2000 das Betriebsergebnis der AG unter anderem mit der Optimierung der Standorte erklärt. Ziel sei die Erlangung einer bedeutenden Marktsituation, die dem Unternehmen einen Preisspielraum verschaffen könnte.
Dass der Kamps AG dieses Ziel in der Kölner Innenstadt (zwischen Neumarkt und Rudolfplatz beziehungsweise Barbarossaplatz und Friesenplatz) offenbar gelungen ist, weist Völler in einer Studie "Zur Bedeutung unternehmerischer Standortwahl für den
(Börsen-)Erfolg der Kamps AG" nach. Der Autor hat in einer Markterhebung vom 26. August in Köln die Preise von acht relevanten Bäckereierzeugnissen verglichen. Das Ergebnis: In allen sieben Kamps-Filialen lagen die Preise über denen der insgesamt 18 Konkurrenten. Besonders gravierend war der Unterschied bei den Croissants: statt des Mittelwertes von 1,28 DM wurden in allen Kamps-Bäckereien 1,45 DM für das knusprige Hörnchen verlangt - ein Aufschlag um 20 Prozent. Eine Laugenstange war bei Kamps (1,25 DM) um elf Prozent teurer als im Durchschnitt, die Rosinenschnecke (1,95 DM) und das Vollkornbrötchen (0,95 DM) um jeweils acht Prozent.
Ein Pfund Oberländer Kamps-Brot kostete 3,25 DM und damit drei Prozent mehr als im Schnitt. Der Preis für ein Fleischwurstbrötchen schwankte in den Kamps-Filialen zwischen 2,45 und 2,95 DM bei einem Mittelwert von insgesamt 2,51 DM. Nur bei den einfachen Brötchen (Kamps: 45 Pfennig) war der Unterschied gegenüber 44 Pfennigen im Schnitt nur geringfügig. Über alle Produkte gesehen, liegen die Kamps-Preise nach den Berechnungen des Volkswirts um neun Prozent über dem Schnitt.
Lokales Minimonopol
Möller folgert aus diesem Marktvergleich - eine gleiche Qualität zwischen den Produkten der einzelnen Bäckereien unterstellt -, eine gewisse Marktmacht erlaube es der Kamps AG, "höhere Preise als die Konkurrenz durchzusetzen". Das Unternehmen habe außerdem eine "geschickte Standortstrategie". Von den rund 515 Bäckereiverkaufsstellen im Kölner Stadtgebiet trügen nach der Übernahme der beiden großen Ketten von Otten und Potthof-Winkel inzwischen 66 das gelbe "Brezellogo" von Kamps. Damit sei Kamps größer als die drei folgenden Filialunternehmen Merzenich Bäckereien GmbH (22 Verkaufsstellen), die Konditorei Brüder Oebel GmbH (rund 20) und die Bäckerei Hardt (19) zusammen.
Dabei hat sich Kamps offenbar mit Bedacht spezialisiert auf besonders stark frequentierte Standorte: Nicht nur auf den Ringen der Kölner Innenstadt ist die Kette besonders präsent. Jeweils drei Kamps-Läden gibt es etwa auch am Wiener Platz in Mülheim und an der Dürener Straße in
Lindenthal. Das gleiche Standort-Muster ist in Dellbrück, Nippes, Ehrenfeld und in der Südstadt anzutreffen, hat Möller festgestellt und spricht von einem "lokalen Minimonopol".
Nicht nur in Köln setzt Kamps höhere Preise als den Marktdurchschnitt fest. Das bestätigt Walter
Dohr, Geschäftsführer des rheinischen Bäckerhandwerk-Verbands, allerdings nur "vom Hörensagen". Genaue Zahlen aus einzelnen Städten liegen ihm nicht vor. In Nordrhein-Westfalen koste das Brötchen jedoch "etwas über 45 Pfennig" im Schnitt. Da liegt Kamps in Köln sogar noch darunter. Die insgesamt üppigen Kamps-Preise sind aus Sicht des Bäckerverbandes "nicht unerfreulich", sagt
Dohr: Ein Marktführer habe gute Chancen Preisanhebungen durchzusetzen - und auch die Konkurrenz zieht dann oft nach.
Dafür führt der Verfasser der Studie auch ein Beispiel aus dem Raum Stuttgart und Heilbronn an. Dort sei Kamps mit 220 Filialen mit großem Abstand Marktführer vor dem schärfsten Konkurrenten Wohlgemuth mit lediglich 65 Verkaufsstellen: "Obgleich der lokale Markt seit Jahren Brezelpreise über 95 Pfennig nicht herzugeben scheint", so Möller, habe Kamps den Preis zum Jahresanfang auf eine DM festgesetzt. Einem Pächter zufolge sei dennoch mindestens die gleiche Stückzahl wie zuvor verkauft worden. Konkurrent Wohlgemuth hat es gefreut: Er erhöhte später ebenfalls seine Brezel-Preise von 85 auf 95 Pfennige. |